PM vom 29.Juli 2026: Geplante Öl- und Gasbohrungen vor Usedom:
Neues Aktionsbündnis gegen fossiles Projekt in der Ostsee

- Kanadischer Konzern Central European Petroleum plant mögliche Förderung von Öl und Gas in unmittelbarer Nähe zu Meeresschutzgebieten
- Fossiles Projekt vor Usedom würde ohnehin stark belastetes Ökosystem sowie lokalen Tourismus gefährden
- Kumulative Effekte entstehen mit dem Bau des gigantischen Containerterminals und seiner neuen Zufahrt vor Swinemünde
- DUH, BUND Mecklenburg-Vorpommern, WWF und Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern gründen neues Aktionsbündnis
Usedom / Berlin / Schwerin, 30.7.2026: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der BUND Mecklenburg-Vorpommern, der WWF und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern kündigen das gemeinsame Vorgehen gegen die geplante Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht vor der Insel Usedom an. Das neue Bündnis will verhindern, dass ein großflächiges fossiles Industrieprojekt des kanadischen Öl- und Gaskonzerns Central European Petroleum in unmittelbarer Nähe zu Meeresschutzgebieten entstehen könnte. Dafür behält sich das Bündnis auch rechtliche Schritte vor.
Das kanadische Öl- und Gasunternehmen Central European Petroleum Ltd. (CEP) hat 2025 mit der Bohrung „Wolin East 1“ wenige Kilometer vor der Küste von Usedom nach Erdöl und Erdgas gesucht. Nach Angaben des Unternehmens könnten sich allein im gesamten Konzessionsgebiet mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmeter Gas befinden. Die Konzession, also die Lizenz zur Erkundung und Förderung läuft bis zum 1. Dezember 2027. Eine tatsächliche Förderung ist damit jedoch noch nicht genehmigt. Dafür muss eine umfassende Umweltprüfung erfolgen. Dennoch steht zu befürchten, dass 2027 begonnen werden soll, um die Konzession nicht auslaufen zu lassen.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Nach der Nordsee darf nicht auch noch die Ostsee zum Rohstoffpark der fossilen Industrie werden. Das hätte verheerende Auswirkungen für Klima, Umwelt und Tourismus. Noch ist aus der Erkundungsbohrung kein genehmigtes Förderprojekt geworden – das muss auch so bleiben. Die Bundesregierung, die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und die Europäische Union müssen gemeinsam deutlich machen: Eine neue Öl- und Gasförderung direkt vor Usedom darf es nicht geben. Wenige Wochen vor der Landtagswahl müssen auch die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern klar Stellung beziehen und erklären, wie sie die Küste vor einem neuen fossilen Industrieprojekt schützen wollen.“
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern: „Die Pommersche Bucht ist ein ökologisch besonders wertvoller und zugleich bereits stark belasteter Lebensraum der Ostsee. Bereits der Bau des gigantischen Containerterminals Swinemünde und seiner neuen Zufahrt ist eine massive Verschlechterung für die Meeresschutzgebiete. Nur rund 200 Meter vom bisherigen Bohrstandort entfernt beginnen europäische Meeresschutzgebiete. Hier rasten und überwintern zahlreiche Seevögel und auch der vom Aussterben bedrohte Ostsee-Schweinswal nutzt diese Gewässer. Zusätzlicher Unterwasserlärm, Schadstoffeinträge und das Risiko eines Ölunfalls wären für dieses empfindliche Ökosystem nicht verantwortbar. Die Ostsee braucht wirksamen Schutz statt neuer fossiler Industrie. Deshalb hat der BUND gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ eine Petition an den Europäischen Petitionsausschuss und an die Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee gestartet.“
Dr. Rainer Sauerwein, Vorstand BI Lebensraum Vorpommern: „Eine Öl- und Gasförderung in den flachen Küstengewässern vor Usedom und Wollin birgt zu hohe Risiken für diese wunderschönen Erholungsgebiete. Kumulative Effekte mit dem geplanten Containerhafen erhöhen das Risiko erheblich. Die zu erwartenden Umweltbelastungen, die Gefahr möglicher Störfälle bedeuten - bei dem so geringen Wasseraustausch der Ostsee – für die Vorpommersche Küste und für die hier lebenden Menschen und auch den naturverbundenen Tourismus eine Katastrophe. “
Hintergrund:
Das kanadische Öl- und Gasunternehmen Central European Petroleum hat 2025 mit der Bohrung „Wolin East 1“ wenige Kilometer vor der Küste Usedoms nach Öl und fossilem Gas gesucht. Die Konzession, also die Lizenz zur Erkundung und Förderung, läuft bis zum 1. Dezember 2027. Eine tatsächliche Förderung ist damit noch nicht genehmigt, dafür muss zunächst eine umfassende Umweltprüfung erfolgen. Dennoch steht zu befürchten, dass vor Ablauf der Lizenz mit der Förderung begonnen werden soll. Nach Angaben des Unternehmens könnten sich im gesamten Konzessionsgebiet mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmeter Gas befinden.
Besonders kritisch bewertet das Bündnis die bislang ungeklärte, mögliche Ausdehnung der Lagerstätte über die deutsch-polnische Grenze hinweg. Eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung müsste zwingend erfolgen, da nicht auszuschließen ist, dass sich die Auswirkungen auch bis ins deutsche Küstenmeer erstrecken würden. Sollte sich die Öl- und Gasblase auch unter deutsches Hoheitsgebiet erstrecken, wäre auch ein deutsches Genehmigungsverfahren unter Beteiligung deutscher Behörden, Umweltverbände und der Öffentlichkeit notwendig.
Die BI Lebensraum Vorpommern hat gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk der Umweltverbände im Ostseeraum „Coalition Cleen Baltic“ und dem BUND eine Petition an den Europäischen Petitionsausschuss und an die Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee organisiert. Ziel der Petition ist es, die Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen und die jetzt geplante neue Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin zu stoppen. Die Petition wurde bisher von 88.000 Menschen aus ganz Europa und besonders aus den Ostseeanrainerstaaten unterzeichnet. Die Petition soll im September in Brüssel an die EU-Kommission übergeben werden. Zur Petition: Keep the Baltic Sea clean and safe! | WeMove Europe
Zusätzlich zur geplanten Rohstoffförderung im Meer baut die Seehafen AG Swinemünde einen Tiefenwasser-Containerhafen mit einer komplett neuen Zufahrt. Die neuesten überarbeiteten Projektdaten sehen eine Erweiterung von 2 auf 4 Terminals vor. Es entsteht jetzt ein ca. 3500 m langer und 500 m breiten Pier, ein Tiefseebecken, Wellenbrecher, Terminalgebäude auf insgesamt mind. 550 ha Meeresboden.
Das Containerterminal ermöglicht aktuell den gleichzeitigen Betrieb von vier 400-Meter-Einheiten und zwei 200-Meter-Einheiten. Die Kapazität des Terminals erweitert sich damit auf ca. 3,0 Mill. TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) pro Jahr (max. bei 4,0 Mill. TEU).
Die Fahrrinne wird dafür auf 71 Kilometer auf 17 Meter Tiefe und im zweispurigen Teil 500 Meter Breite, im einspurigen Teil auf 250 Meter Breite gebaggert. Für die Fläche der Fahrrinne gehen weitere 27,83 Quadratkilometer Meeresboden verloren. Die Störbreite durch Baggerfahrzeuge und später durch die Containerschiffe beträgt. 2 mal 2,5 Kilometer. Die Baggergut-Menge von 140 Mio. Kubikmeter wird auf zwei Meeresboden-Deponie-Flächen von 125 Quadratkilometer und 65 Quadratkilometer verklappt.
Kontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509,
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin BUND MV
0178 5654700,
Dr. Rainer Sauerwein, Vorstand BI Lebensraum Vorpommern
0152 53670823,
DUH-Newsroom:
030 2400867-20,
Dr. Rainer Sauerwein
Vorstand BI Lebensraum Vorpommern
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Mobil: 0152 53670823
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