PM vom 12.Oktober 2026: Geplante Ölförderung vor Usedom: Deutsche Umwelthilfe warnt mit Aktionsbündnis vor verheerenden Umweltfolgen und fordert Stopp des fossilen Megaprojekts
- Kanadischer Ölkonzern CEP plant gigantisches Ölprojekt nur sechs Kilometer vor Usedom mit Förderung bis in die 2060er-Jahre
- Fossiles Megaprojekt gefährdet Natura2000-Gebiet; bei einem Unfall könnten bis zu 3.300 Tonnen Öl pro Tag austreten
- Aktionsbündnis fordert gemeinsam mit der Gemeinde Heringsdorf den sofortigen Stopp des Vorhabens
Berlin/Heringsdorf, 12.10.2026: Das Aktionsbündnis aus Deutscher Umwelthilfe (DUH), WWF Deutschland, BUND Mecklenburg-Vorpommern und der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern fordert gemeinsam mit der polnischen Organisation EKO-UNIA und der Gemeinde Heringsdorf den Stopp des geplanten Ölprojekts Wolin East des kanadischen Ölkonzerns Central European Petroleum (CEP) vor den Inseln Usedom und Wollin. Angrenzende Gasvorkommen will CEP ebenfalls in Zukunft erschließen. Nach Ansicht der Umweltschutzorganisationen gefährdet das fossile Großprojekt das sensible Ökosystem der benachbarten europäisch geschützten Natura2000-Gebiete sowie den dort heimischen, vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal. Die Förderung birgt zudem das Risiko eines Unfalls, bei dem pro Tag bis zu 3.300 Tonnen Öl austreten könnten. Zudem verstößt die geplante Förderdauer bis in die 2060er-Jahre klar gegen die deutschen und europäischen Klimaziele.
Mit ihren eingereichten Stellungnahmen zum Untersuchungsrahmen zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung warnen die Organisationen vor gravierenden Umwelt- und Klimafolgen des Vorhabens und fordern von der Bundesregierung, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und den polnischen Behörden, das fossile Megaprojekt zu stoppen.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Es ist aus Sicht von Natur- und Klimaschutz nicht hinnehmbar, wie der kanadische Ölkonzern CEP die Bucht vor Usedom für Jahrzehnte zu einem fossilen Industriepark machen will. Obwohl die Folgen für Menschen und Umwelt bei einem möglichen Ölaustritt verheerend wären, spielt der fossile Konzern die Folgen für den Meeres- und Klimaschutz herunter. Mit einer geplanten Förderung bis in die 2060er-Jahre würden polnische, deutsche und europäische Klimaziele ignoriert. Wir fordern die Bundesregierung, die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf, sich mit aller Konsequenz für den Stopp dieses fossilen Megaprojekts einzusetzen.“
Laura Marisken, Bürgermeisterin Gemeinde Heringsdorf: „Usedom steht für einzigartige Natur, kilometerlange weiße Sandstrände und hervorragende Wasserqualität – nicht für Schwerindustrie vor unserer Haustür. Die geplante Öl- und Gasförderung erfüllt uns mit großer Sorge, insbesondere weil die möglichen Umweltauswirkungen aus unserer Sicht bislang nicht hinreichend untersucht sind. Gerade im Fall einer Havarie sprechen wir auch über irreversible Schäden an unserem sensiblen Ökosystem und Folgen für die gesamte Region.“
Rainer Sauerwein, Vorstand Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern: „Die Bürgeriniative Lebensraum Vorpommern hat sich zum Ziel gesetzt, die Zerstörung des Naturraums der Vorpommerschen Bucht der Ostsee durch eine fortschreitende Industrialisierung aufzuhalten. Wir erleben gerade vor den Inseln Usedom und Wollin eine massive Zerstörung der Natur, da neben einem gigantischen Containerhafen auch noch eine 10 Hektar große Bohrinsel zur Ölförderung in den so sensiblen und geschützten Küstengewässern errichtet werden soll. Das gefährdet die Lebensqualität der Insulaner und ihre wirtschaftliche Grundlage, den naturnahen Tourismus. Zum Schutz der Natur und der Bewohner der Inseln Usedom und Wollin werden wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren.“
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern: „Direkt an und teilweise in sensiblen Naturschutzgebieten der Pommerschen Bucht sollen pro Tag 4.100 Tonnen Rohöl und beigemischtes Gas gefördert und bearbeitet werden. Die ausgelieferten Unterlagen spielen Gefahren eines Ölunfalles herunter. Das Unternehmen CEP rechnet aber bereits jetzt mit Bestandsverlusten von Meeressäugetieren. Es wären auch tausende Meeresvögel betroffen, die auf der Oderbank rasten. CEP setzt darauf, dass bei Ölunfällen Rettungsdienste und Behörden einspringen. Das kann nicht ausreichen. Wir fordern die Vorlage ein umweltbezogenen, internationalen Havariekonzeptes.“
Radosław Gawlik, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA: „Die Nachricht über eine mögliche Öl- und Gasförderung vor Świnoujście hat uns überrascht. Die Ostsee ist ein flaches und empfindliches Meer. Bislang hat in der Pommerschen Bucht kein Land diese Rohstoffe gefördert – unter anderem wegen der Risiken für die Meeresumwelt und der möglichen Folgen für den Tourismus im Falle eines Unfalls. Berichten zufolge handelt es sich um eine kleine Lagerstätte, die nur wenige Prozent der polnischen Energiebilanz ausmacht. Zudem befinden wir uns, wie die übrige EU, im Übergang von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien. Polen plant und baut Offshore-Windkapazitäten mit einer Leistung von 12 bis 16 Gigawatt. Es lohnt sich angesichts der enormen Menge sauberen Stroms, die wir aus der Ostsee gewinnen können, nicht, in Gas und Öl zu investieren, sondern vielmehr in die Elektrifizierung des Energiesystems.“
Hintergrund:
Das von CEP geplante Projekt hat mit 18 Hektar gigantische Ausmaße und würde gravierende Umweltauswirkungen mit sich bringen. Ein Teil des 65 Meter hohen Bohrturms wird in die europäisch geschützten Natura2000-Gebiete Zatoka Pomorska und Ostoja na Zatoce Pomorskiej geplant. In der Pommerschen Bucht sind zudem Schweinswale der vom Aussterben bedrohten südlichen Ostseepopulation heimisch, deren Bestand auf nur noch rund 500 Tiere geschätzt wird. Bereits bei der Erkundungsbohrung gingen laut CEPs eigenen Unterlagen die Schweinswalnachweise deutlich zurück. Bau-, Bohr- und Schiffslärm können ihre Nahrungssuche stören und sie aus wichtigen Lebensräumen verdrängen.
Die Regionaldirektorin für Umweltschutz in Szczecin (Stettin) hat am 3. Juni 2026 ein grenzüberschreitendes Umweltprüfungsverfahren eingeleitet, an dem sich das Aktionsbündnis und die Gemeinde Heringsdorf mit Stellungnahmen beteiligt haben. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konzern eine neue Bohrplattform zu weiteren Erkundungsbohrungen in die Pommersche Bucht gesetzt, ohne deutsche Behörden und die betroffenen Gemeinden darüber zu informieren.
Kontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509,
Gemeinde Ostseebad Heringsdorf
038378 25012,
Rainer Sauerwein, Vorsitzender Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern
0152 53670823,
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern
0178 5654700,
Radosław Gawlik, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA
+48 71 344 22 64,
DUH-Newsroom:
030 2400867-20,
